Kommunales Holzheizwerk in Finnentrop

 

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In der Gemeinde Finnentrop wurde im Mai 2003 eines der größten kommunalen Holzheizwerke in NRW in Betrieb genommen, welches die kommunalen Liegenschaften im Ortszentrum mit Wärme versorgt ...

 Idee

Luftbild Finnentrop mit Nahwärmenetz

Luftbild Finnentrop mit Nah-
wärmenetz
Quelle: Gemeinde Finnentrop
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In der Gemeinde Finnentrop wurde im Mai 2003 eines der größten kommunalen Holzheizwerke in NRW in Betrieb genommen. Das Holzheizwerk versorgt die kommunalen Liegenschaften im Ortszentrum mit Wärme. Neben Schulzentrum mit Realschule, Hauptschule, Grundschule und zwei Turnhallen sind das Rathaus, ein Erlebnis-Hallenbad, sowie ein Wohn- und Geschäftshaus in das Nahwärmesystem eingebunden.

Die Idee für das Projekt entstand Ende der neunziger Jahre. In mehreren kommunalen Gebäuden war eine routinemäßige Erneuerung der Gaskessel geplant. Um einen Beitrag zur Nutzung regenerativer Energien zu leisten und damit den Kohlendioxid-Ausstoß zu mindern, entwickelte der Fachbereich Planen und Bauen der Gemeindeverwaltung Finnentrop ein Gesamtkonzept zur zentralen Wärmeversorgung der kommunalen Gebäude unter Einbeziehung regenerativer Energien.

Planung und Umsetzung

Anfang 2001 wurde eine Initialberatung durch die Energieagentur NRW in Anspruch genommen. Diese empfahl den Bau eines Holzheizwerkes, was zu einem schnellen und positiven Ratsbeschluss beitrug. Im Juni 2001 fiel der Startschuss für das Projekt. Das Ingenieurbüro Ecotec aus Meschede wurde mit der Ausarbeitung eines Anlagenkonzeptes beauftragt. Bereits im Oktober 2001 konnte auf Grundlage des von Ecotec entwickelten Konzeptes der Antrag zur Förderung des Projektes durch die Holzabsatzförderung des Landes NRW gestellt werden. Die Förderung wurde im März 2002 bewilligt.

Auf Empfehlung der Energieagentur NRW wurde die Planung des Projektes von ECOTEC weitergeführt und mit Unterstützung der Energieagentur NRW auch eine Analyse hinsichtlich der Finanzierungs- und Betreiberfrage erstellt. Im März 2002 startete ECOTEC die europaweite Ausschreibung für das Wärmeliefer-Contracting. Aufgrund der neuartigen Konzeption dieser Ausschreibung war es allen Anbietern möglich, innerhalb der relativ kurzen Frist ein Angebot abzugeben. Dies führte zu einem intensiven Wettbewerb unter den zehn Anbietern und damit zu sehr günstigen Energiepreisen für die Gemeinde. Die beiden günstigsten Anbieter lagen mit ihrem Angebot sogar unter den kalkulierten Kosten einer im Vorfeld ermittelten Eigenregie-Variante.

Im Ergebnis finanziert und betreibt die MVV Energie AG aus Mannheim die Anlage über einen Zeitraum von 20 Jahren. "Neben dem Projektumfang ist besonders die Geschwindigkeit bemerkenswert, mit der das Projekt umgesetzt wurde. Zwischen der Planung und Antragsstellung zur Förderung bis zum ersten Spatenstich verging gerade ein Jahr", so Dipl.- Ing. Steffen Hofmann von der Energieagentur NRW. Ausschlaggebend hierfür war unter anderem die gleichzeitige Erstellung der technischen Planung und der Contracting-Ausschreibung, so dass der Contractor bereits wenige Wochen nach der Auftragserteilung mit den Bauarbeiten beginnen konnte.

Technik

Bau des unterirdischen Silos

Bau des unterirdischen Silos
Quelle: Gemeinde Finnentrop

Die Gesamtwärmeleistung der Anlage beträgt etwa 2,8 Megawatt. Mit einem Brennstoffeinsatz von 6.000 Schüttraummetern beziehungsweise 1.500 Tonnen Holz im Jahr werden rund 4.500 Megawattstunden Wärmeenergie erzeugt.

Ein unterirdisches Brennstoffsilo mit einem Bruttovolumen von 240 m³  ermöglicht theoretisch einen Volllastbetrieb über zehn Tage. Schubböden und Kratzkettenförderer sorgen für den Brennstofftransport. Eine 850-Kilowatt-Holzhackschnitzel-Vorschubrostfeuerung ermöglicht den Einsatz naturbelassener Holzhackschnitzel mit maximal 55 Prozent Wassergehalt. Für die Zuführung grober Brennstoffe sorgt ein hydraulischer Einschieber.

Die Kesselanlage im Endzustand

Die Kesselanlage im Endzustand
Quelle: Gemeinde Finnentrop

Die Abdeckung der Spitzen- und Reservelast übernimmt die alte erdgasbefeuerte 1,9-Megawatt-Kesselanlage. Die Rauchgasreinigung erfolgt durch ein Multizyklon. Zusätzlich findet eine weiterführende Reduzierung der Staubemissionen mittels eines Elektrofilters statt. Die Entaschung in einen externen Absetzcontainer verläuft automatisch.


 

Die Contracting-Ausschreibung war so gestaltet, dass die Gemeinde nach Vertragsabschluss mit der MVV Energie AG weitreichenden Einfluss auf das Projekt behielt und von nachträglich realisierten Einsparungen beim Bau profitierte, indem der Wärmegrundpreis gesenkt wurde.

Die Holzfeuerung und die Fördertechnik konnten in den bestehenden Heizungsraum der Turnhalle integriert werden, in dem auch bereits die Gaskessel standen. Durch die Nutzung des vorhandenen Gebäudes fielen die Baukosten deutlich niedriger aus als bei vergleichbaren Holzheizwerken mit neuem Gebäude. Dies wirkt sich direkt auf den sehr günstigen Wärmepreis aus.

Die schnelle Durchführung des Projektes wurde vor allem durch die gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, beteiligten Behörden und Firmen ermöglicht. Zudem hat die intensive Öffentlichkeitsarbeit entscheidend zum Erfolg des Projektes beigetragen. Alle Entscheidungen wurden im Gemeinderat in öffentlichen Sitzungen getroffen. Durch diese transparente Planung konnte eine hohe Akzeptanz des Projektes in der Bevölkerung erreicht werden.


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