Innovation City Ruhr Modellstadt Bottrop


Kommunendaten

Kommune: Bottrop
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Einwohnerzahl: > 100.000
 Website

Projektdaten

Projektstart: 2010
Laufzeit: 10 Jahre
Maßnahmenzuordnung: Maßnahmenbereich 6 | 6. Kommunikation, Kooperation | 6.1 Kommunikation | 6.1.1 Konzept für Kommunikation und Kooperation | 6.4.1 Arbeitsgruppen, Partizipation | 6.4.3 Schulen, Kindergärten

Kontakt
 
Stadt Bottrop – FB Umwelt & Grün
 
Stefan Beckmann (Fachbereichsleiter)
  
Rainer Jesenek (Projektmanagement)
  
 
 
Brakerstraße 74
 
D-46238 Bottrop
 
 
Innovation City Management GmbH
 
Sebastian Bittrich (Senior Manager Marketing)
 
Tel.: +49 (0) 172 5814850
 
 
 
 

Südring-Center-Promenade 3
D-46242 Bottrop

 


Bereits zum vierten Mal 2010, 2013, 2016 und 2021 ist die Stadt Bottrop mit dem eea Gold ausgezeichnet worden. Seit 2010 wird zudem das Projekt Innovation City Ruhr mit Bottrop als Modellstadt durchgeführt. Dabei wurden u. a. über 300 Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, um die Herausforderungen des Klima- und Strukturwandels zu bewältigen, die CO2-Emissionen zu halbieren und die Lebensqualität zu steigern. Diese Ziele sind nach Evaluation durch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie über die Projektlaufzeit von zehn Jahren erreicht worden. Initiiert wurde das Gesamtvorhaben durch den Initiativkreis Ruhr, der das Projekt zusammen mit weiteren Partnern aus der Wirtschaft (z. B. der NRW.BANK und der RAG Stiftung), Wissenschaft und Politik unterstützt hat.
Die intensive Einbindung von Akteuren oder der Ansatz „Energiewende von unten“ wird in der Projektbeschreibung näher erläutert. Beispiele dieses Ansatzes sind:

  • Unbürokratische Antragstellung für Förderprogramme
  • Konstante Verbreitung von Informationen offline und online (z.B. Kampagnen) und in einfacher Sprache
  • Intensives Beratungsangebot zur energetischen Modernisierung und Steigerung der Energieeffizienz
  • Direkte Ansprechpartner öffentlich sichtbar (mobile Quartierscontainer und Quartiermanager)
  • Regelmäßige Informationsveranstaltungen
  • Themenspezifische Projekte mit starker Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Solaroffensive, Grünes Bottrop)
  • Einbindung von lokalen Akteure – Netzwerkarbeit
  • Nachschlagwerk „Bottroper Katalog“ mit Gebäudesteckbriefen
  • Showroom für Einzelprojekte
  • Einbindung der jungen Generation in Veranstaltungen und Schule/Universität
  • Kooperation mit Unternehmen und gesellschaftlichen Institutionen

Im Rahmen des ICR Projekts konnte das hochgesteckte Ziel Bottrops „innerhalb von 10 Jahren 50% der CO2-Emissionen einzusparen“ durch massive Anstrengungen erreicht werden. Das Projektgebiet bestand aus mehreren Stadtteilen von Bottrop mit insgesamt 70.000 Einwohnern in sieben Planungsräumen, die die verschiedenen Facetten des Ruhrgebiets widerspiegeln. Der Fokus von ICR lag u.a. auf der Aktivierung der Bürger: innen und Wirtschaft, dem Netzwerkaufbau, der Verstetigung der Prozesse und die Übertragbarkeit der Erfahrungen, Methoden und Projekte.

Eine der ersten Umsetzungen im ICR-Prozess war im Jahr 2011 die Eröffnung eines Zentrums für Information und Beratung, genannt „ZIB“. Ebenso wurde die Innovation City Management GmbH (ICM) gegründet, die die Aufgabe einer Beratungs- und Projektmanagementgesellschaft wahrnimmt. Sie steuert das Gesamtprojekt und koordiniert die einzelnen Akteure. Darüber hinaus bietet die ICM Immobilieneigentümern kostenlose Erstberatungen und Informationsveranstaltungen zum Thema energetische Gebäudemodernisierung an.

Durch diese Angebote sowie eine intensive Aktivierungs- und Öffentlichkeitsarbeit konnte im Durchschnitt eine jährliche energetische Modernisierungsrate von über drei Prozent erzielt werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Beratungskette, welche aus drei wesentlichen Teilen besteht: die Erstberatung, die Vor-Ort Fachberatung und die Maßnahmendurchführung, die mit einer Sanierungsbegleitung unterstützt wurde. Dazu wurden Quartiersmanager: innen etabliert, die als Bindemitglied zwischen der Verwaltung und Akteuren im Quartier für den Informationsaustausch sorgen. Zusätzlich zu wöchentlich Sprechstunden im Quartier mit dem zuständigen Manager wurden mobile Beratungsbüros eingesetzt, in dem die Bewohner: innen temporär einen Ansprechpartner: innen in Quartieren vorfanden. Ebenso wurde ein Beratungsangebot für Produktions-und Dienstleistungsunternehmen zur Verfügung gestellt. Das Beratungsangebot im Modellgebiet wurde verstärkt durch regelmäßigen themenspezifischen Veranstaltungen im ZIB und Informationsveranstaltungen direkt in den Quartieren. Es war wichtig, dass die Informationen leicht verständlich und konstant offline und online verbreitet wurden. Für die Umsetzung von privaten energetischen Modernisierungsmaßnahmen wurde eine einfach formulierte kommunale Förderrichtlinie mit einer verständlichen Beantragung und schlanken Bewilligung entwickelt. Im Showroom „Markplatz Klimaschutz“ wurden Einzelprojekte, Produkte und Dienstleistungen von Wirtschaftspartner: innen vorgestellt, die bei energetischen Modernisierungsmaßnahmen von Gebäuden zum Einsatz kommen konnten. Auch die junge Generation wurde bei 30 Veranstaltungen (z. B. im Rahmen des Projekts „Schule der Zukunft“) mit eingebunden, um das Verständnis der Nachhaltigkeit, der Energiesparmöglichkeiten und Klimaschutzes zu stärken.

Für die Optimierung der Handlungsweise der Stadt wurden verschiedene Arten von Bürgerbefragungen durchgeführt. Diese regelmäßige Bewertungen und die Evaluation der Ergebnisse wurden in einem geschlossenen Kreislauf durchgeführt und waren ein wichtiger Bestandteil der Erfolgskontrolle. Nebenbei wurde der ICR Prozess durch eine wissenschaftliche Begleitforschung unter Leitung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie sowie projektbezogen von der Hochschule Ruhr West in Bottrop durchgeführt. Mit diesen Erfahrungen konnten bundesweit ganzheitliche Konzepte für Stadtquartiere auf dem Weg zur Klimaneutralität entwickelt werden.

Im Jahr 2018 wurde in Bottrop das letzte Steinkohlebergwerk geschlossen und der damit verbundene Strukturwandel stellten die Stadt Bottrop sowie das Ruhrgebiet allgemein vor neue Herausforderungen. Mit dem allgemeinen Auslaufen der Steinkohleförderung rief der Initiativkreis Ruhr im Jahr 2010 das Projekt Innovation City Ruhr ins Leben. Über eine Projektlaufzeit von zehn Jahren wurde so gezeigt, dass die Transformation von einer ehemaligen Kohlestadt zur Klimastadt funktionieren kann. In einem zweistufigen Auswahlprozess setzte sich Bottrop unter 15 Bewerberstädten und Stadtverbänden durch. Ein wesentlicher Faktor war dabei die große Unterstützung durch die Bürgerschaft.


Das Ziel in der Modellstadt Bottrop wurde mit Einsparungen von 50,09% der CO2-Emissionen 2020 erreicht. Die vielen Energieberatungen, mehr als 4.000 persönliche Beratungen, waren der Treiber für den Erfolg - zusammen mit der vereinfachten Vergabe von Fördergeldern für Modernisierungs-und Instandsetzungsmaßnahmen. So konnten beispielsweise Fördermittel in Höhe von 2,75 Mio. Euro seit 2014 über die Förderrichtlinie der Stadt Bottrop ausgezahlt werden. Diese führten allein über diesen Förderungsansatz zu Investitionen in Höhe von 21,08 Mio. Euro. Das Gesamtinvestitionsvolumen für Maßnahmen beträgt 723 Millionen, davon 222 Mio. Euro aus öffentlichen Mitteln. Die energetische Modernisierungsrate erreichte dadurch einen überdurchschnittlichen Wert von 3,3% pro Jahr.

Im Jahr 2016 startete das Projekt „Innovation City roll out“, das das Potenzial der Umsetzung eines integrierten Quartierskonzeptes nach Bottroper Vorbild in 17 Städten mit 20 Quartieren im Ruhrgebiet untersuchte. Dabei zeigte sich, dass es ein Potenzial zur CO2-Einsparungen von etwa 300.000t innerhalb von 5 Jahren in den untersuchten Quartieren besteht.